Naturarten des Jahres 2011

Mehrere Umwelt- und Naturschutzorganisationen wählen, zur Ausweitung des öffentlichen Umwelt- und Naturbewusstseins, jedes Jahr aus dem Bereich der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Landschaften „Naturelemente des Jahres“.

Überdies hat das Ministerium für Umwelt-, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg einen „111-Arten-Korb“ mit 111, überwiegend in Baden-Württemberg heimischen, Tier- und Pflanzenarten zusammengestellt , die unsere besondere Aufmerksamkeit benötigen und besonders auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Im Folgenden stellen wir ihnen einige der Arten für das Jahr 2011 vor, die auch in unserer Region beheimatet sind. Neben den wohl bekanntesten Titeln wie „Baum des Jahres“ oder „Blume des Jahres“  gibt es noch zahlreiche weitere. Testen sie sich selbst, ob sie die Arten kennen oder in unserer Region gar schon angetroffen haben.


© Angelika Wolter / pixelio

Beginnen wir mit dem, vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) gekürten „Vogel des Jahres 2011“. dem Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus). Das erste Beispiel einer Art, die gerade in unserer Region angetroffen werden könnte. Der früher weit verbreitete, etwa 14cm große Singvogel, mit dem bezeichnenden, ziegelroten Schwanz, ist heute in vielen Regionen selten geworden. Immer weniger Gärten genügen seinen Ansprüchen. Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in hochstämmigen Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen deshalb zu einem typischen Lebensraum des Insektenjägers. Entsprechend gestaltete Gärten auch mit speziellen Nistkästen sind dem Zugvogel im Sommerhalbjahr behilflich.

© Hajotthu / de.wikipedia.org

Die, vom Verschwinden bedrohte, Moorlilie (Narthecium ossifragum) ist von der Loki-Schmidt-Stiftung und der Stiftung Naturschutz Hamburg zur „Blume des Jahres 2011“ gekürt worden. Mit ihren gelben Blüten steht die, oft auch „Beinbrech“ genannte, Lilienart in Hoch- und Heidemooren sowie in Übergangsmooren und Feuchtheiden, gelegentlich auch in Gagel- und Weidengebüschen. Feuchte bis nasse, nährstoffarme, saure und torfige Moorböden werden von ihr bevorzugt und lassen sie 10 bis 30 Zentimeter hoch werden. Die Blätter sind schwertförmig und grundständig. In ihnen ist ein Giftstoff enthalten, der die Leberfunktionen von Schafen stört und Schwellungen und Wunden auf der Haut hervorruft. Auch für den Menschen ist die Moorlilie giftig.

© Andrew Dunn, 15 May 2005

Die Elsbeere (Sorbus torminalis)

[torminalis = Bauchschmerzen], oder liebevoll „Schöne Else“, ist laut dem Kuratorium der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung „Baum des Jahres 2011“. Ihre Beeren sind, entgegen dem lateinischen Namen, aber nicht ungenießbar – ganz im Gegenteil. Die kleinen, dunkelroten Beeren sind, wegen ihres hohen VitaminC-Gehaltes, bei Magen-Darm-Krankheiten wie die Ruhr behilflich. Deshalb ist die Elsbeere auch als „Ruhrbaum“ bekannt. Obwohl der Baum keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt, als Jungpflanze viel Schatten verträgt und erst spät auf viel Licht angewiesen ist, ist die Elsbeere einer der seltensten Bäume Deutschlands. Die Blüte ist fast so schön wie ihr Herbstkleid, das von feuerrot über orange bis gelb reicht. Das Holz wurde bei der Pariser Weltausstellung 1900 zum schönsten Holz der Welt gekürt.  

© Dieter Haugk / pixelio

„Tier des Jahres 2011" ist der Luchs (Lynx lynx)

Der Luchs der in unseren Wäldern äußerst selten anzufinden ist, ist der eurasische Luchs oder auch Nordluchs. Im europäischen Raum ist mit „Luchs“ nahezu immer diese Art gemeint.

Der Luchs ist ein sehr selten anzutreffendes Wildtier und stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Er ist eines der drei großen Raubtiere die in der Vergangenheit die Funktion des Jägers erfüllt haben: Bär, Wolf und Luchs. Der Mensch kam und kommt im Vergleich zu Bär und Wolf nur selten mit dem Luchs in Berührung, schon immer waren Bär und Wolf aus menschlicher Sicht präsenter, man sehe sich die Märchen an, Wolf und Bär sind immer wieder auftauchende Geschöpfe, doch kennen Sie ein Märchen in dem der Luchs vorkommt?

Luchse sind Einzelgänger, sie dulden keine fortpflanzungsfähigen gleichgeschlechtlichen Artgenossen in ihrem Revier. Die Reviergröße liegt bei Männchen, den Kudern, zwischen 120 und 400 Quadratkilometern und und bei Weibchen, den Luchsinnen, zwischen 100 und 150 km². Nur 50% der Jungtiere überleben den Winter, 75% werden kein eigenes Revier beleben können. Ein Wurf hat ein bis fünf Jungtiere, die gesäugt werden bis sie der Mutter selbstständig zur Beute folgen können.

Die Furcht vor einer “Luchsplage“ ist allein durch die natürlichen Grundlagen des Luchses eine haltlose Furcht. Als Bewohner vorrangig alter, hoher Laub- und Mischwälder mit viel Unterholz das ihm bei der Jagd Deckung gibt tötet ein ausgewachsener Luchs etwa 50-60 Paarhufer pro Jahr, also ungefähr ein Tier pro Woche, als reiner Fleischfresser kann der Luchs so als zusätzlicher natürlicher Regulator des Wildbestandes  von Nutzen sein, da er, gemessen an seiner Reviergröße, ein genügsamer Jäger ist. 

© Dagmar Struss / wikimedia commons

Die nächste Art ist kaum allein anzutreffen. Sie bietet Staaten mit mehreren hunderttausend Individuen. Die Rede ist von der Großen Kerbameise (Formica exsecta), dem „Insekt des Jahres 2011“. Die sieben bis acht Millimeter große, braun-schwarze Waldameise mit intensiv roter Taille, steht unter besonderem Schutz. Die Ameisenhaufen ihrer Staaten dürfen nicht gestört werden. Feinde, die dennoch stören werden nicht gestochen, sondern mit den gezähnten Mundwerkzeugen gebissen und anschließend Ameisensäure in die Wunde gespritzt. Der Name kommt von einer aufgerichteten Schuppe in der Taille mit einer Kerbe. Der Kopf hat hinten auch ein Delle, an der die Ameise gut zu erkennen ist. Den Winter verbringt die Große Kerbameise in ihrem Bau aus Grashalmen, der tief bis unter die Erde reicht. Ernähren tut sich die Ameise größtenteils durch Honigtau von Blattläusen, Aas, tote Insekten oder Raupen.

 

© Helmut J. Salzer / pixelio

„Schmetterling des Jahres 2011“ ist der Große Schillerfalter (Apatura Iris).

Der Große Schillerfalter zählt zu den wenigen Schmetterlingsarten die sich nicht von Blütennektar ernähren. Der Tagfalter sucht nach tierischen Produkten wie Exkrementen und Aas wenn er am späten Vormittag aus den Baumwipfeln herabsteigt um an feuchtkühlen Waldrändern, auf Waldwegen und Lichtungen Nahrung und Wasser zu finden. Auch Schweiß, Teer und sogar Benzin wirken anziehend auf diese Art.

Wer den Edelfalter beobachten möchte macht sich den ausgeprägten Geruchssinn des Tieres zunutze und  hat mit mit  stark riechendem Käse als Lockmittel  die besten Chancen einen Blick auf den Aasfresser werfen zu können.

Von Mitte Juni bis Mitte August fliegt der Schillerfalter in Auen- und Laubmischwäldern, es sind jedoch hauptsächlich die Männchen zu beobachten da die Weibchen die Baumwipfel bevorzugen, und auch nicht mit dem auffälligen Äusseren der Männchen aufwarten können, da ihnen der typische Blauschimmer fehlt. Einer der wichtigsten Ansprüche an den Lebensraum ist das Vorhandensein von Weiden auf welchen die Weibchen die Eier ablegen. Die Raupen sind von kräftigem Grün und haben längs ihres Körpers gelbe Streifen.  Sie  schlüpfen einmal im Jahr und klettern an die Spitze der Blattoberseite. Von dort fressen sie das Blatt beidseitig ab und lassen nur die starke mittlere Blattader übrig, so entsteht ein typisches Fraßbild. Die im Winter bräunlichen, gut getarnten Raupen überwintern kaum geschützt an den Spitzen der Weidenzweige. Schon im Mai verpuppen sie sich und schlüpfen nach kurzer Zeit bereits Ende Mai. Zackenförmige Ausbuchtungen an den Flügelunterseiten verleihen dem Schmetterling ein exotisches Aussehen, und mit bis zu über sieben Zentimetern Flügelspannweite bei den Weibchen und 5,5 bis 6,5 Zentimetern bei den Männchen  hat der Große Schillerfalter neben seiner blauen Farbe die von winzigen Luftkammern in den Flügelschuppen herrührt ein weiteres signifikantes Erkennungsmerkmal.

Er gehört zu den größten Schmetterlingen Europas. Der große Schillerfalter steht in Deutschland auf der Vorwarnliste. Einer der Gründe für den Rückgang der Population ist dass die bevorzugte Futterpflanze, die Salweide, in der Forstwirtschaft unbeliebt ist und junge Weidenbüsche entfernt werden  da ihr Holz wenig rentabel ist. Weiden sind jedoch nicht nur für den Großen Schillerfalter wichtig, aufgrund ihrer frühen Blütezeiten sind Weiden eine wichtige erste Futterpflanze für Insekten und vor allem Honigbienen nach dem Winter.

© David Gough / wikimedia commons

Ebenfalls eine besondere Naturart ist der „Pilz des Jahres 2011“, der Rote Gitterling (Clathrus ruber). Nicht zu übersehen schiebt sich der Rote Gitterling mit seiner tennisballgroßen, fleischroten Gitterkugel aus einer schmutzig, eierschalfarbigen Hülle. Wie bei allen Pilzen entzieht sich der eigentliche Organismus des Pilzes unseres Blickes. Unter der Erde kann der Pilz lange wachsen und sich von abgestorbenen organischem Material ernähren, bevor er seine Fruchtkörper ans Tageslicht schiebt. Der Rote Gitterling imitiert dann den fauligen Geruch der Lieblingsspeise der Schmeißfliegen, die dann gierig die Sporenmasse an der Unterseite aufsaugen. Anders als andere Pilze durch Wind verbreitet sich der Rote Gitterling also durch den Verdauungstrakt der Schmeißfliegen. Selten ist der Pilz trotzdem. Er kommt vorrangig im Sommer, auf Friedhöfen, in Gärten und Parkanlagen vor, kann sich aber auch nach mehrjähriger Ansiedlung zurückziehen.  Deutschlandweit sind nur 90 Funde registriert. Meldungen zur Sichtung des Roten Gitterlings sind willkommen.

 

© Manfred Heyde / wikimedia commons

Laut der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde ist die Mauereidechse (Podarcis muralis) „Reptil des Jahres 2011“

Auch die Mauereidechse ist ein Sommerfreund. Ihren Aufenthaltsort wählt sie nach der Intensität der Sonneneinstrahlung  und dem Vorkommen von Insekten die ihr als Nahrungsquelle dienen, bevorzugt in südwestlicher bis südöstlicher Richtung um die Sonneneinstrahlung optimal auszunutzen. Das Vorhandensein eines Unterschlupfes ist eine weitere Bedingung die sie an ihren Lebensraum stellt.

Ihr Körperbau ist auf das Klettern ausgelegt, sie hat scharfe Krallen und einen Schwanz der bis zu doppelt so lang ist wie ihr Rumpf der dadurch in der Horizontalen gedrungen erscheint. Der Schwanz ist neben den kräftigen Beinen und den langen Gliedern eines der wichtigsten Gleichgewichtsorgane der Eidechse. Die Fressfeinde der Eidechsen sind neben Greifvögeln die Schlangen, im Besonderen die Schlingnatter. Da auch sie Gesteinsformationen mit Unterschlupfmöglichkeiten bevorzugen stellen sie die naheliegendste Gefahr für die Mauereidechse dar. Jedoch schrecken Eidechsen nicht vor größeren Höhen zurück, sie können auch senkrechte Mauerwerke oder deren natürliches Pendant, vertikale Gesteinsabbrüche, bewohnen was ihnen einen Vorteil gegenüber ihren natürlichen Fressfeinden verschafft.

Als Kulturfolger bewohnt sie Lebensräume in von Menschen geschaffenen Gebieten (Die größte Population nördlich der Alpen befindet sich auf dem Zürcher Hauptbahnhof). Gegenüber der Zerstörung ihres Lebensraumes aber sind sie, wie alle anderen Tiere auch, machtlos, was den Menschen als Hauptbedrohung in den Vordergrund rückt.  Selbst die von Menschengeschaffenen Lebensräume wie Bahngleise sind durch Veränderungen wie etwa Flurbereinigungsmaßnahmen bedroht.

 

Können Eidechsen ihren Schwanz abwerfen? - Ja!

Es gibt sogar einen Namen dafür, er lautet Autotomie und bezeichnet wissenschaftlich die beeindruckende Fähigkeit sich von Körperteilen zu trennen. Ab dem sechsten Schwanzwirbel abwärts besitzt jeder Wirbel eine Sollbruchstelle, zusätzlich ist dort das Bindegewebe schwächer. Durch eine Kontraktion des Ringmuskels kann der Schwanz dann an der entsprechenden Stelle ohne größere Blutverluste abgetrennt werden.

Sinn dieser Selbstverstümmelung ist die Ablenkung eines Feindes. Der oft auffällig gemusterte Schwanz, welcher auch bei der Paarung eine wichtige Rolle spielt und deshalb nur bei absoluter Lebensgefahr abgeworfen wird, ist sogar kurzfristig in der Lage ein Eigenleben zu führen, und somit einen Lebensrettenden Zeitgewinn für die Eidechse herauszuschlagen. Der nachwachsende Schwanz schließlich ist bei weitem nicht so prächtig wie sein Vorgänger und hat nur ein Knorpelgerüst und ist kürzer als der ursprüngliche, es kostet die Eidechse viel Energie ihn wachsen zu lassen, das Tier verliert an Wendigkeit und ist nicht mehr so leistungsfähig. Neben der Tatsache dass es bescheuert aussieht  gibt es also eine Vielzahl an Gründen diese Maßnahme so lange wie möglich herauszuzögern. Die Qualität des regenerierten Schwanzes variiert zwischen den Eidechsenarten. 



Sie möchten gern Kontakt mit uns aufnehmen?

BUND-Geschäftsstelle
Rossmarktgasse 4

88630 Pfullendorf

Tel. 07552/91091

Öffnungszeiten:
Montag      8-17 Uhr
Dienstag    8-17 Uhr

 

 

Spenden sie für den regionalen Naturschutz

Unterstützen sie die Arbeit des BUND Pfullendorf mit ihrer Spende.

Ihr Geld wird damit garantiert für Projekte in ihrem unmittelbaren Pfullendorfer Umfeld eingesetzt.

Spenden sie auf unser Spendenkonto.

Oder werden sie Fördermitglied.

Wir bedanken uns für ihre Unterstützung.

Suche