Das Naturdenkmal auf dem ehemaligen Bahngelände

Entlang der längst stillgelegten Bahnstrecke von Pfullendorf nach Aach-Linz gibt es einen versteckten, orchideenreichen Halbtrockenrasen. Biotope dieser Art sind im Pfullendorfer Raum selten. Das Gleisbett bietet nun, da die Schienen demontiert wurden, besten Rückzugsraum für Kleintiere wie Eidechsen, Ameisen, oder Spinnen.

Schon 1989 lief ein, vom BUND und der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes angestrengtes, Verfahren über die Unterschutzstellung des rund 2,4ha großen stillgelegten Bahngeländes und zur Ausweisung als "flächenhaftes Naturdenkmal". Grund hierfür war der Magerrasen am Bahndamm, der hier, in geologisch und botanisch ungewöhnlicher Kombination, auf einer Endmoräne der Würmzeit entstanden ist.
Vor allem aber waren es die gesichteten Exemplare besonderer, schützenswerter Pflanzenarten.

Zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung wurde das Helmknabenkraut (Orchis militaris), das Zweiblatt (Listera ovata) und vereinzelt die Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) gesichtet. Seltene, teils auf der "roten Liste" als gefährdet eingestufte Pflanzenarten.
Auch das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) und der Braunrote Sumpfwurz (Epipactis atrorubens), sowie das Langblättrige Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) konnte vereinzelt gefunden werden.

Bei Zählungen neueren Datums wurden noch Deutscher Enzian und Gefranster Enzian gefunden

2006 wurde eine besondere Raupenart, die Möndchen-Eule (Calophasia lunula), entdeckt, die in Oberschwaben bisher im wesentlichen nur im Federsee-Gebiet nachgewiesen werden konnte.

Seit 1998 besteht eine Partnerschaft mit der Firma Geberit. Jährlich helfen die Auszubildenden dem BUND bei seinen Pflegemaßnahmen. 2002 wurde diese Partnerschaft auf unberstimmte Zeit verlängert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für diese Unterstützung.

Seit Beginn der Pflege seitens des BUND Pfullendorf wurden in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde zahlreiche Entbuschungen durchgeführt. Jährliche Mahd und Abtragen des Mähguts sogen für einen Nährstoffhaushalt auf dem Halbtrockenrasen, der diesen seltenen Pflanzenarten das Überleben sichert.


Galerie Naturdenkmal Bahndamm Aach-Linz

Der stillgelegte Bahndamm

Lage

Die Bahnlinie verbindet die beiden Orte Pfullendorf und Schwackenreute und verläuft damit mehr oder weniger in ost-westlicher Richtung. Die Länge der Strecke beträgt ca. 24 km und umfasst eine Fläche von 250 000 qm. Sie verläuft innerhalb der Gemeindegrenzen von Pfullendorf, Wald, Sauldorf und Mühlingen.

Die gesamte Bahnlinie kann dem Naturraum „Oberschwäbisches Hügelland“ zugeordnet werden, sie befindet sich dabei auf einem Höhenniveau zwischen 670 und 617mNN. Dem hügeligen Landschaftscharakter entsprechend verläuft die Strecke mal erhöht auf einem Damm, mal in einem Einschnitt deutlich unter dem Landschaftsniveau, und nur selten ebenerdig.

Geschichte und Nutzung

Die Bahnlinie Pfullendorf-Schwackenreute wurde 1873 eröffnet. Rund 100 Jahre später wurde 1971 zunächst der Personenverkehr eingestellt, 1983 dann auch der Güterverkehr. Bald darauf wurden die Gleise, mit Ausnahme der Gleise in Nähe der beiden Endbahnhöfe, entfernt. Seit über 20 Jahren konnte somit auf den Böschungen eine weitgehend ungestörte Sukzession erfolgen. Eine Ausnahme bildet hierbei die seit 1985 als flächenhaftes Naturdenkmal geschützte und durch den BUND gepflegte Fläche "Bahndamm bei Aach-Linz". Hier konnte sich während der Dauer der Nutzung durch die Bahn ein Kalk-Halbtrockenrasen entwickeln, der seither durch einschürige Mahd gepflegt wird. Sonstige regelmäßige Eingriffe waren vermutlich nur das Zurückschneiden von Hecken und selektive Fällen einzelner Bäume durch ansässige Landwirte.
Die §24a-Biotop-Kartierung des Gebietes zwischen 1992 und 1996 hat gezeigt, dass gerade entlang des Bahndammes zahlreiche Biotope schützenswert sind. Aus diesem Grund hat der BUND Pfullendorf ab 01.01.06 die Bahnstrecke Pfullendorf-Schwackenreute von der Deutschen Bahn gepachtet. Damit soll auch eine anderweitige Nutzung der ehemaligen Bahnstrecke z.B. als Rad- oder Wanderweg verhindert werden.

Beeinträchtigungen und Gefährdungen

Durch Strassen, Wege und Siedlungsflächen ist die Bahnstrecke mehrmals, zum Teil auch länger, unterbrochen. In zwei Bereichen der Strecke wurde der Bahnschotter abgetragen und die Fläche dient nun als Weide. Diese Unterbrechungen sind natürlich nicht mehr rückgängig zu machen, ebenso wenig wie die Anlage von Schrebergärten oder Bienenkörben oder des 1987 erbauten Schützenhauses von Ruhestetten. Unbedingt zu unterlassen wäre aber vor allem die Ablagerung von Gartenabfällen, Bauschutt etc., wie dies immer wieder entlang der Strecke festzustellen ist. Besonders an den Böschungen unterhalb von Ackern und Weiden ist teilweise eine starke Eutrophierung durch Düngung festzustellen. In einem Bereich auf Höhe der Binderhöfe (Nähe Sentenhart) wird unverkennbar Abwasser in den Graben geleitet. Einige der auf der Karte verzeichneten 24a-Biotope (v.a. Feuchtbiotope) konnten nicht mehr im Gelände identifiziert werden und sind vermutlich der Melioration zum Opfer gefallen. Dass die Zerstörung von schützenswerten und geschützten Biotopen entlang des Bahndamms weiter voranschreitet, zeigt folgendes Beispiel: das Biotop 8020-437-1343 war, vermutlich durch regelmäßiges Nachfräsen des Grabens, im Vergleich zu 1996 bereits deutlich verschmälert. Im November wurde der Graben dann erneut ausgehoben und die an Sumpf-Ziest und Sumpf-Segge reiche Vegetation total zerstört.
Aktuelle Planungen, die ehemalige Bahnlinie in einen durchgehenden Wander- oder Fahrradweg zu verwandeln, würden die Biotope natürlich weitgehend zerstören.

Plegeeinsätze

  • Samstag 13.11.2010 - Trotz massiver Blockade der Zufahrtswege wurde mit der vorwinterlichen Pflege begonnen, die dann wegen des aggressiven Auftretens der Eigentümer abgebrochen werden musste.
  • Montag 21.03.2011 - Geplant war, mit Hilfe der Stadt, das Mäh-gut der vorangegangenen Pflegemaßnahme endlich abzutragen - durch ein Kommunikationsproblem musste die Aktion um eine Woche verschoben werden.
  • Montag 28.03.2011 - Aufräumaktion mit Hilfe des Bauhofes - diesmal ohne Störung durch der Eigentümer

Seit 1987 pflegt der BUND diesen Abschnitt des ehemaligen Gleisbetts von Pfullendorf nach Aach-Linz. Damals noch im Besitz der deutschen Bahn, und ohne Schwierigkeiten zu pflegen, ging dieser Abschnitt vor wenigen Jahren in privaten Besitz über.


Seither wird, von deren Seite, dem BUND Pfullendorf, mit seinem Geschäftsführer Heinz Brandt, jede Menge Steine, oder wie im aktuellen Fall buchstäblich ausrangierte Landmaschinen, in den Weg gelegt, bezüglich der Ausübung der in einem Pflegevertrag niedergelegten Pflicht, Landschaftspflegemaßnahmen in diesem Bereich vorzunehmen.


Die Presse berichtete in der Vergangenheit über diese Vorfälle.

Am Samstag den 13.11.2010 wurde dennoch, ausgestattet mit einer Erlaubnis der Stadt Pfullendorf und mit Verständigung der Polizeidienststelle Pfullendorf dieses Gebiet gepflegt und für den Winter vorbereitet.
Bis zum Abbruch der Aktion, eingeläutet durch die von den Brüdern aggressiv geäußerte Aufforderung zum sofortigen Verlassen ihres Grundes und der Bedrohung einiger ehrenamtlicher Helfer, konnte ein Großteil des Gebiets, das durch die besagten Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren leider schon an ökologischem Wert eingebüßt hat, weitgehend gepflegt werden.

Die lokalen Zeitungen berichteten über die gesamte Aktion und ihre weitere Ausdehnung. So wurde nun vom Landratsamt auf die Möglichkeit hingewiesen, notfalls unter Polizeischutz, zumindest aber mit Androhung eines Ordnungsgeldes die Pflegemaßnahmen zu Ende zu führen.

Durch die geschilderte Verschleppung konnte das Gebiet im vergangenen Jahr 2010 nicht mehr zu Ende gepflegt werden. Sobald der Schnee geschmolzen ist, würde allerdings mit Unterstützung des Bauhofes die Arbeit erneut aufgenommen, und das Gebiet einem nachhaltigen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten ein Stück näher gebracht.



Sie möchten gern Kontakt mit uns aufnehmen?

BUND-Geschäftsstelle
Rossmarktgasse 4

88630 Pfullendorf

Tel. 07552/91091

Öffnungszeiten:
Montag      8-17 Uhr
Dienstag    8-17 Uhr

 

 

Spenden sie für den regionalen Naturschutz

Unterstützen sie die Arbeit des BUND Pfullendorf mit ihrer Spende.

Ihr Geld wird damit garantiert für Projekte in ihrem unmittelbaren Pfullendorfer Umfeld eingesetzt.

Spenden sie auf unser Spendenkonto.

Oder werden sie Fördermitglied.

Wir bedanken uns für ihre Unterstützung.

Ihre Spende hilft.

Suche