Das Naturschutzgebiet Egelsee-Ried

Das Naturschutzgebiet Egelsee-Ried liegt ca. 4 km südöstlich von Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen. Es umfasst eine Fläche von 5,29 ha auf der Gemarkung Großstadelhofen.

 Das an der Flanke einer langgezogenen Talmulde gelegene Schutzgebiet besteht aus zwei unterschiedlichen Teilbereichen: einem Niedermoor und einer stillgelegten Kiesgrube.
(¡:Naturschutzgebiet Kreuzäcker)

Das Egelsee-Ried hat eine wichtige Bedeutung im Biotopverbund und als Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Das vorliegende Gebiet ist am 12.07.1983 zum Naturschutzgebiet “Egelsee-Ried“ erklärt worden. Es ist vollständig in Landesbesitz.

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Abiotische Grundlagen 

Naturraum, Höhenlage, Klima, Geologie, Hydrologie

Das Schutzgebiet liegt im Naturraum “Oberschwäbisches Hügelland“, bei einer Höhenlage von 660m bis 675m ü. NN. Der Klimaatlas von Baden – Württemberg gibt für das Gebiet eine mittlere Niederschlagssumme von 900 mm und eine Jahresdurchschnittstemperatur von 7°C, bzw. 13-14°C während der Hauptvegetationszeit an.
Das Oberschwäbische Hügelland ist eine geologisch junge Landschaft mit unruhigem Relief und einem unausgeglichenem Gewässersystem. Den Untergrund bilden tertiäre Sedimente (Molasse), die von mächtigen würmeiszeitlichen Schottern überlagert sind, mit Parabraunerden als vorherrschenden Bodentyp. Das Schutzgebiet selbst befindet sich in einem Gletschertor der Jungmoräne.

GÖTTLICH (1971) geht davon aus, dass das Niedermoor in einem Toteisloch entstanden ist. Er notierte folgende Schichtung:

-  Schwingrasen mit Sphagnen bis  40 cm        
-  Seggenschilftorf bis 260 cm                           
-  Seggen-Braunmoostorf bis 400 cm             
-  Torfmudde und Tonmudde bis 490 cm          
-  Feinsandige Tonmudde ab 490 cm               

 Das NSG liegt an der Flanke einer abflusslosen Talmulde im Bereich der europäischen Wasserscheide. Im Süden hat der Furtbach, der über die Aach zum Rhein entwässert, dem Trockental das Wasser abgegraben, während etwa 2,5 km nordöstlich des Gebietes der Andelsbach zur Donau hin fließt.
Die Tümpel, die sich während der Abbauphase in der Kiesgrube gebildet haben, standen vermutlich mit dem damals höheren Grundwasserspiegel in Verbindung.

Biotische Grundlagen

Vegetation des Riedes

Das Niedermoor ist aus der flächigen Verlandung eines Vorsees in einem Toteisloch entstanden. Eine offene Wasserfläche existiert schon lange nicht mehr, allenfalls sind zwischen den Steifseggenbulten kleinere Schlenken zu finden. Im Kernbereich des Riedes hat sich ein Zwischenmoorschwingrasen gebildet.Um das Niedermoor hat sich ein Weidengürtel gebildet.

Im Niedermoor tritt die Steifsegge (Carex elata) bestandsbildend auf, weitere Charakterarten des Steifseggenriedes sind Galium palustre (Sumpf-Labkraut), Scutellaria galericulata (Sumpf-Helmkraut), Lycopus europaeus (Wolfstrapp), Lysimachia vulgaris (Felberich) und Equisetum fluviatile (Teich-Schachtelhalm).

Zum Zentrum hin rücken die Seggenbulte dichter zusammen und gehen in einen Schwingrasen über. Neben den Moosen (u.a. Sphagnum-Arten) trägt hauptsächlich Potentilla palustris (Sumpf-Blutauge) zum Bestandsaufbau bei. In den letzten Jahren sind zunehmend Weidengebüsche im Ried aufgekommen.
Stellenweise erreicht der Verbuschungsgrad schon 30-40%, im Zwischenmoor 20%. Diese Entwicklung lässt auf einen gestörten Wasserhaushalt schließen.   Vegetation der Kiesgrube In der stillgelegten Kiesgrube wurde keine Rekultivierung vorgenommen, so dass heute noch eine Vielzahl unterschiedlicher Strukturelemente erhalten geblieben sind.

Es finden sich steile Kieswände unterschiedlicher Exposition und Neigung, von Humus befreite Kiesterrassen, eine Grubensohle mit ausgeprägtem Kleinrelief (Kieshaufen und staunasse Mulden) sowie Wälle aus den abgeschobenen Deckschichten mit Hochstaudenfluren und starker Gehölzentwicklung. In den mit Lehm ausgekleideten Mulden bilden sich temporäre Kleingewässer. Diese kleinflächigen Standortunterschiede, unterschiedliche Bodenverhältnisse und die fortschreitende Sukzession haben in der Kiesgrube zu einem eng verzahnten Mosaik aus Feuchtgebiets-, Pionier-, Ruderal-, Grünland-, Hochstauden-, Saum- und Gehölzvegetation geführt.

Die steilen Kieshänge sind nahezu vegetationslos und mit dem dominanten Kiesbodenpionier Hieracium piloselloides (Kleines Habichtskraut) sehr artenarm. Auch die zuletzt freigelegten Kiesterrassen, die stark austrocknend sind, sind nur spärlich bewachsen (Deckung <50%). Die Vegetation hat einen auffallend hohen Moos- und Flechtenanteil aufzuweisen.

Als Charakterarten eines Kalkmagerrasenstadiums sind Anthyllis vulneraria (Wundklee), Medicago lupulina (Hopfenklee), Erigeron acris (Berufskraut), Hieracium pilosella (Habichtskraut), Linum catharticum (Purgier-Lein), Thymus pulegioides (Thymian) und Sedum acre (Mauerpfeffer) zu nennen.

Auf Flächen mit einer günstigeren Wasserversorgung und beginnender Humus-anreicherung hat sich eine lückige, magerwüchsige Vegetation ausgebildet, geprägt von mesophilen Grünlandarten wie Arrhenatherum elatius (Glatthafer), Gallium molugo (Labkraut), Chrysanthemum leucanthemum (Margerite), Leontodon hispidus (Rauher Löwenzahn) Campanula rotundifolia (Glockenblume) u.a.. Vereinzelt treten Arten trockenwarmer Säume auf wie Hypericum perforatum (Johanniskraut), Origanum vulgare (Wilder Majoran) und Centaurium erythraea (Tausendgüldenkraut).
Diese Vorstadien magerwüchsiger Grünlandrasen sind durch einige floristische Besonderheiten ausgezeichnet wie Gentianella ciliata (Gefranster Enzian), Genistella sagittalis (Flügel-Ginster) und Trifolium aureum (Gold-Klee).

Den abgeschobenen und randlich abgelagerten Oberboden haben Arten der nitrophytischen Saumgesellschaften mit ihrem hohen Verdrängungseffekt erobert. Diese ausdauernden Hochstaudensäume sind besonders aus faunistischer Sicht (Nahrungspflanzen, Brutplatz, Überwinterungsstrukturen etc.) erhaltenswert. Auf den mittleren Standortsverhältnissen entwickeln sich krautreiche Wirtschafts-wiesen.

Nutzung und aktueller Naturschutzwert Für die Kiesgrube wurde 1972 die Genehmigung zur Materialentnahme erteilt. 1982 ist der Kiesabbau wieder eingestellt worden. Statt der vorgesehenen Rekultivierung mit anschließender landwirtschaftlicher Nutzung einigten sich 1983 der Kiesgrubenbetreiber und das Land Baden-Württemberg als neuer Eigentümer auf eine Renaturierung und Unterschutzstellung. So war die Kiesgrube beim Egelsee eine der ersten im Landkreis Sigmaringen für die, anstatt rekultiviert zu werden, als Folgenutzung Naturschutz vorgesehen wurde. Als Lebensraum aus zweiter Hand finden sich darin Ersatz für verschiedene selten gewordene Kleinbiotope der natürlichen Flusslandschaft und nährstoffarme Trockenstandorte.

Die nach der Ausbeutungsphase einsetzende Sukzession führte zu sich einander ablösenden Lebensgemeinschaften mit aus der modernen Agrarlandschaft verdrängten und deshalb meist gefährdeten Arten. Für die Besiedlung der offenen Rohböden und der temporären Wasserflächen hat sich die unmittelbare Nähe des Riedes und eines nur wenige hundert Meter entfernten Magerrasengebietes als äußerst günstig erwiesen, was die Bedeutung der Kiesgrube als wichtiges Trittstein- und Ausweichbiotop noch unterstreicht.

Über eine frühere Nutzung des Niedermoores ist uns nichts bekannt. Die unnatürlich geradlinigen Umrisse des Riedes lassen jedoch auf frühere Eingriffe schließen (Auffüllungen oder Torfstich). Das Niedermoor und seine beginnende Entwicklung zum Zwischenmoor zeichnet sich durch die außergewöhnliche Lage im Bereich eines ehemaligen Gletschertores und die Entstehung in einem Toteisloch aus. Der nördliche Teil des Gebiets wurde bis 1984 einer intensiven Grünlandnutzung mit Gülledüngung unterzogen.

Betreuung und Pflege durch den BUND – OV Pfullendorf

Seit 1998 werden die Wiesen vom BUND-Ortsverband Pfullendorf im Rahmen des Vertragsnaturschutzes jährlich gemäht, ebenso sporadisch die randliche Ruderalvegetation. Wegen der sich stark ausbreitenden Goldrute erfolgt ab 2004 eine dreimalige Mahd der betroffenen Teilflächen. Gefährdungen Niedermoor Der Wasserspiegel des Riedes ist nach Aussagen einiger Ortskundiger bereits merklich abgesunken, denn laut deren Berichte wurde früher die Straße im Osten gelegentlich vom Riedwasser überflutet.
Das flächige Aufkommen von Weidenjungwuchs hängt sicherlich mit dem gefallenen Wasserspiegel zusammen. Die Gehölze verstärken durch eine erhöhte Verdunstungsrate die Austrocknung, was schließlich den Verlust der lichtbedürftigen Niedermoorarten zur Folge hat. Durch den gefallenen Grundwasserspiegel ist auch der große Tümpel in der Kiesgrube verlorengegangen, und damit auch der Lebensraum für eine Amphibienpopulation. Zurückgeblieben sind temporäre, seichte Tümpel, die während der meisten Zeit im Jahr trockenfallen.
Der absinkende Grundwasserspiegel ist kein lokales Phänomen, sondern kann in der ganzen Region Obere Donau beobachtet werden. Die vegetationsarmen Kiesrohböden und -hänge sind durch die stark einsetzende Verbuschung und damit verbundene zunehmende Beschattung als wertvoller Rückzugsraum für Trockenrasenarten und als Lebensraum der Zauneidechse und anderen Reptilien gefährdet. Eine große Gefährdung stellt die Ausbreitung von Solidago canadensis (Goldrute) dar. Unter Verdrängung autochtoner Pflanzenarten und der an diese angepassten Insektenarten bildet die Goldrute in einigen Teilgebieten bereits geschlossene Reinbestände aus.

Die Kiesgrube und das Ried waren seit Jahren unbearbeitet und drohten vollkommen zu verbuschen. Nach einer Begehung im Jahr 2001 wurde bereits ein Teil der Kiesgrube entbuscht. Die große Trockenheit im Jahre 2003 machte es möglich die Weiden, Fichten, Kiefern, u.a. in der Talsohle und den trockengefallenen Tümpeln, ebenso an der entgegengesetzten Hangseite zu entfernen. Auch wurde die gesamte Riedfläche in Handarbeit entbuscht. Mit einem Arbeitseinsatz von ca. 350 Stunden und der Unterstützung der Firma Geberit, die einen Tag lang mit allen Auszubildenden in einem Arbeitseinsatz das angefallene Schnittgut abräumte und zum Teil verbrannte, wurden große Teile des Gebietes entbuscht und so der Beschattung der vegetationsarmen Kieshänge und Kiesrohbodenstandorte entgegengewirkt. Im Jahr 2004 wurden diese Flächen in einem weiteren Arbeitseinsatz von ca. 400 Std. nachgepflegt und weitere Teile der Kieshänge sowie ein Teil des Randbereiches des Niedermoores entbuscht! 

Seit dem werden jedes Jahr weitere Teilstücke der Kieshänge und Randbereiche des Niedermoors entbuscht und immer wieder nachgepflegt!
So kann der Verbuschung und somit der Verdrängung von wertvollem Lebensraum auf Dauer entgegengewirkt werden.



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