Das Ruhestetter Ried

 

Der Moorkomplex “Ruhestetter Ried“ ist seit 1996 als Natur- und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es befindet sich westlich von Pfullendorf südlich von Ruhestetten gelegen. Die Voralpenregion wurde während der letzten Kaltzeit, der Würm-Kaltzeit vom Rheinvorlandgletscher geprägt. Nach dieser Kaltzeit begann das Moorwachstum in der nassen Senke. Das Ried befindet sich am Außenrand der äußeren Jungmoräne in einem flachen Talabschnitt der Salemer Aach welche das Gebiet in nordöstlicher Richtung entwässert. Moränenrücken begrenzen das Gebiet im Nordwesten und Süden.

Die Entwicklungsgeschichte des Rieds wird bei Betrachtung der Schichtenfolge lesbar, welche hauptsächlich Seggen-Schilftorfe, Seggentorfe und Seggen-Bruchtorfe aufweist. Durch  zunehmende Auswaschung und Verwitterung nahm die am steileren Nordrand stattfindende Kalkführung der Quellen ab, sodass heute keine eigentlichen Hangquellmoore existieren. Die einst vorherrschenden Standortbedingungen sind in all ihrer Differenziertheit jedoch bis zum heutigen Tag  an der Vegetation zu erkennen.

Talabwärts gehen die die Böden in Anmoor über. Im “Gemeinderied“ wurde mit über fünf Metern die größte Torfmächtigkeit festgestellt. Der Kernbereich des Riedes ist ein Niedermoorkomplex welcher bäuerliche Torf- Und Moornutzung geprägt wurde. Zwei kleine Hand-Torfstiche veranschaulichen heute den Besuchern wie einst Torfsoden gestochen wurden.

Gegenwärtig durchziehen Entwässerungsgräben das gesamte Gebiet. Ausgedehnte Moorwälder stellen die größte Vegetationsform des südlichen Teils, während die Randzone von Wirtschaftswiesen eingenommen wird. Der Rückgang der Streuwiesen (Nasswiesen und Pfeifengraswiesen) in den letzten Jahrzehnten ist auf Aufforstung oder Brache mit anschließend einsetzender Sukzession zurückzuführen. Die wenigen verbliebenen Streuwiesenflächen sind heute Lebensraum für eine sehr artenreiche Pflanzen- und Tierwelt unter anderem auch mit Glazialreliktarten (Glazialrelikte sind kälte- und lichtliebende Lebensformen die ursprünglich in arktischen Regionen heimisch sind, im Verlauf einer Kälteperiode sich nach Süden ausbreiten konnten und sich nach der Kälteperiode mit anschließender Erwärmung nur noch in wenigen extremen Lebensräumen wie z.B. Gebirgen halten können).

Leider sind in den letzten fünfundzwanzig Jahren einige der bedrohten Pflanzen verschwunden. Ausgangssituation dieser Entwicklung war folgende: Die Torfstichfläche im Zentrum des Riedes war noch offen  und es existierte ein fragmentär auftretendes Mehlprimel-Kopfbinsen-Ried. Die einsetzende Sukzession verdrängte jedoch charakteristische Arten wie den Rundblättrigen Sonnentau und auch die Mehlprimel. Da Mehlprimel und Rundblättriger Sonnentau jedoch Diasporen ausbilden welche im Boden über mehrere Jahre keimfähig bleiben, besteht die Möglichkeit einer teilweisen Revitalisierung dieser Standorte.

Dieser Entwicklung zum Trotz ist das Gebiet, nach der FFH- Richtlinie, mit seinen besonders schützenswerten Lebensräumen, floristisch sehr bedeutend.

Unter den mehr als 300 nachgewiesenen, verschiedenen Pflanzenarten befinden sich neben gefährdeten Orchideen und Seggen folgende Pflanzen:

  • Die Pracht- Nelke
  • Die Kümmel-Silge
  • Die Strauchbirke; Diese im ausgewachsenen Zustand gerade einmal hüfthohe Pflanze ist stark gefährdet und landesweit nur noch an wenigen Fundorten in Baden-Württemberg anzutreffen. Die Strauchbirke ist ein Glazialrelikt, was der Schutzwürdigkeit und Pflege des Gebietes zusätzliches Gewicht verleiht. Leider ist ihre Bestandsentwicklung in den letzten Jahren stark rückläufig.
  • Die Trollblume; Einst massenhaft in den Feuchtwiesen vertreten, ist sie heute nur noch selten als Einzelpflanze vorzufinden

Überregionale Bedeutung erreicht das Ruhestetter Ried auch durch seine Schutzbedürftigkeit aus faunistischer Sicht, zu den seltenen Arten gehören im Besonderem:

  • Der Helle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling; Dieser Schmetterling ist europaweit geschützt. Sein Vorkommen ist an das Vorkommen des Großen Wiesenknopfes gebunden, von dessen Blüte sich die Raupen ernähren um nach der dritten Häutung parasitär von der Brut der Trockenrasen-Knotenameise zu leben.
  • Die Waldschnepfe; Eine Besonderheit unter den Vogelarten, sie brütet im Ried.
  • Der Warzenbeißer; Eine stark gefährdete Heuschreckenart, kommt im Ried in kleiner Population zusammen mit dem bunten Grashüpfer vor
  • Die zweigestreifte Quelljungfer; Hat in den kiesegen Sohle der meist freigeräumten Gräben ein günstiges Habitat gefunden
  • Die Sand-Hummel; Die blütenreichen Wiesen und Grabenränder sind mit Bach-Nelkenwurz und Kohldistel als Nahrungshabitat für die Hummel von großer Bedeutung.
  • Die Schmale Windelschnecke; Ist an offene Feuchtgebiete gebunden, ihre Gefährdung wird durch die europaweite FFH (Fauna-Flora-Habitat Richtlinie) unterstrichen.
  • Die Gefleckte Smaragd-Libelle, die in den Hand-Torfstichen vorzufinden ist.

Der Schutzzweck des Gebietes ist die Erhaltung und Aufwertung des Niedermoorkomplexes als Lebens- und Rückzugsraum einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt. Besondere Beachtung finden hierbei die Glazialreliktarten. Das Ruhestetter Ried ist wichtiger Bestandteil  im Feuchtigkeitsverbund im Talzug der Salemer Aach.

 



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