Das Naturschutzgebiet Taubenried

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Taubenried wird (seit 1990) vom BUND Pfullendorf gepflegt. Es liegt nur wenige Kilometer östlich der Stadt Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen und erstreckt sich über 191,7 ha. Das eigentliche Naturschutzgebiet wird von einem Landschaftschutzgebiet umrahmt, um die Bestimmung des Taubenrieds als Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere erfüllen zu können.

Das Gebiet besteht aus großflächigen Moorwäldern, Fadenseggenmooren, Kalk-Flachmooren, Pfeifengras-Streuwiesen, Schilfrieden und Hochstaudenbeständen mit bedrohten und vielerorts bereits verschollenen Tier- und Pflanzenarten. 

Bilder Galerie NSG Taubenried

Das Naturschutzgebiet Taubenried

Geologische Geschichte

Auch das Taubenried wurde von dem für Mitteleuropa bedeutenden Faktor geprägt der die hiesigen Lebensbedingungen wortwörtlich massiv verändert hat. Die Eiszeit. Die mächtigen Gletscher die sich von den Alpen in das Rheintal und das voralpine Becken schoben und die oberschwäbische Landschaft neu gestalteten,

schliffen die Berge wie ein riesiger Hobel ab, das mitgetragene Gestein lagerte sich in Form von Moränenwällen und Geschieben ab. Vor 20000 Jahren ragte der Rheingletscher noch bis an den östlichen Rand des heutigen Taubenriedes. Aus den Gletschertoren ergossen sich riesige Wassermassen über den Andelsbach in Richtung Donau.

Schließlich war die magere Vegetation der Tundra zu spärlich um mit ihren Wurzeln den wasserdurchtränkten Hang vor dem Abrutschen zu bewahren, die gewaltigen Erdmassen drücken sich in das Tal und stauen den Bachlauf an.

Bis zum Ende der Vorwärmezeit vor 9000 Jahren wurde die Senke in der sich das heutige Taubenried befindet von einem See eingenommen, erst als das Wasser abfloss begann das Moorwachstum in der versumpften Mulde.

 

Besonderes und faszinierendes Leben im Taubenried

Die Vielfalt der Lebensräume im Taubenried ist beeindruckend und in dieser Form immer seltener zu finden. 

Zeuge der feucht-mageren Böden ist das Wasser-Geiskraut, durch diese Art geprägte Wiesen sind auf eine zweimalige Mahd im Jahr angewiesen. Extensiv genutzte Wiesen wie diese sind Nahrungsquelle für zahlreiche (18!) Wildbienenarten, z.B. die Veränderliche Hummel deren Name auf die wechselnde Farbe ihres Haarkleides von ockergelb bis dunkelbraun zurückzuführen ist.

Derartige Wiesen bieten auch bedrohten Vogelarten, z.B. der stark gefährdeten Wachtel einen Rückzugsraum, welcher dankbar genutzt wird. 

Es gibt im Taubenried zwei "fleischfressende“ Pflanzenarten: 

Der Rundblättrige Sonnentau, der auf Moospolstern Insekten anhand seiner mit pflanzlichem Klebstoff bedeckten Blätter fängt und zersetzt, sowie eine weitere für kleine Insekten gefährliche Pflanze, der Kleine Wasserschlauch. Diese Wasserpflanze lebt in moorigen Tümpeln und fängt Insekten mit ihren zu Fangkammern geformten Blättchen die sich bei der kleinsten Berührung öffnen und das unvorsichtige Insekt durch den im Inneren herrschenden Unterdruck einsaugen.

Hinzu kommen bunte Torfmoose, Fieberkleebestände, Faden- und Draht-Seggen, Mehlprimeln, das Breitblättrige Wollgras, die Blaue Himmelsleiter, der Blaue Eisenhut, der Distel-Sommerwurz und Kohl-Disteln und der verkannte Wasserschlauch.

Besonderen Schutz bei der Pflege genießt die Strauchbirke, ein in unserem Gebiet stark gefährdetes Birkengewächs und ein Relikt der Eiszeit, welches im Taubenried einen Rückzugs- und Schutzraum gefunden hat.

Zur Fauna des Taubenrieds zählen unter anderem zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Mädesüß-Perlmuttfalter oder der Storchschnabel-Bläuling die als Raupen auf den gleichnamigen Pflanzen leben. Außerdem besitzt dieses Gebiet ein reiches Vorkommen an Insekten: 20 Heuschreckenarten, 18 Hummelarten und mehr als 40 Falterarten, darunter auch viele geschützte, wie beispielsweise der kleine Heidegrashüpfer, der Baldrian-Schneckenfalter und die Berglandhummel. Auch der europaweit geschützte Dunkle Wiesenkopf Ameisen-Bläuling ist hier zuhause.

 

Moor

Abgestorbene Pflanzen wurden in dem sauerstoffarmen Milieu konserviert und lagerten sich ab. Der Moorkörper wuchs in den letzten Jahrtausenden auf durchschnittlich 1,50 m, im östlichen Teil sogar bis teilweise 3,50m. In den Flach- und Niedermooren findet nach wie vor die Bildung von Niedermoortorf statt, sie wird begünstigt durch kleine Quellen in den Schlenken (Schlenken sind die “Wasserlöcher“ zwischen den moosbewachsenen Torfhügeln, die Bulte, die für viele Bereiche des Taubenriedes typisch sind. Die Bodenstruktur eines solchen Moores ähnelt in einem vereinfachten Beispiel der Oberfläche einer Knallfolie die man oft zum polstern von Dingen verwendet. Hierbei sind die Luftpolster die Bulte und die Wasseroberfläche des Schlenkennetzes die Folie. Diese Struktur wird Bult-Schlenken-Komplex genannt).

Das Taubenried erleben

Ein ca. vier Kilometer langer Rundweg führt durch verschiedenste Lebensräume des Riedes:

Das Rispenseggen-Ried

 Von imposanter Gestalt sind die hier im Herbst gebildeten Bulte, die das winterliche Erscheinungsbild dieses Riedes prägen. Ein solches Ried kann nur an Orten be- und entstehen an denen der Wasserhaushalt nicht verändert wird.

 

Der Fichten-Moorwald

Torfmoose und  Sprossender Bärlapp sind hier die vorherrschende Flora.

 

Das Übergangsmoor

Als Lebensraum faszinierender, jedoch bedrohter Arten, ist dieses Moor Heimat für den Rundblättrigen Sonnentau, sowie die Sumpfheuschrecke die ihre Eier im feuchten Moos ablegt. Erkennbar ist sie an ihrem charakteristischen Ruf, mit Hinterbeinen und Flügeln erzeugt sie schnippend-knackende Laute.

 

Wie komme ich zum Taubenried?

Über ausgeschilderte Wege des schwäbischen Albvereins ist das Taubenried mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut zu erreichen.

In der Geschäftsstelle des BUND Pfullendorf liegen übersichtlich gestaltete Karten des Naturschutzgebietes Taubenried aus, diese sind kostenlos und bieten einen umfassenden Überblick über den natürlichen Reichtum des Taubenrieds, sowie eine Karte mit Hinweisen zu 7 Stationen, welche jede für sich einen Komplex an verschiedensten Tieren und Pflanzengesellschaften darstellt. 


Pflege 

Erst die tiefgreifenden Veränderungen der Landwirtschaft seit Mitte des letzten Jahrhunderts und neue Erwerbsmöglichkeiten führten zu einer starken Veränderung der vom Menschen beeinflussten Lebensräume. Die ehemals die Randbereiche des Taubenrieds prägenden Streu- und Feuchtwiesen wurden in intensiv genutztes und stark entwässertes Wirtschaftsgrünland umgewandelt. Die früher regelmäßig zur Nahrungssuche im Gebiet beobachteten Weißstörche wurden seither nicht mehr gesehen. Viele Flächen wurden nicht mehr bewirtschaftet. Fielen brach und verbuschten. Unrentabel gewordenen Streuwiesen auf Torfstandorten wurden in der Vergangenheit auch mit Fichten aufgeforstet.

Heute sind offene Moorflächen und Pfeifengraswiesen im Taubenried selten geworden und bedürfen der Pflege, für die sich der BUND Pfullendorf in den letzten Jahren tatkräftig eingesetzt hat. Auf der Grundlage eines Pflege- und Entwicklungskonzepts der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Tübingen (BNL) sollen zukünftig extensive Nutzungsformen gefördert werden. 

Auf einer intensiv genutzten Grünlandfläche blühen im Durchschnitt 90 verschiedene Arten, hauptsächlich Blüten- und Farnpflanzen. Die Gegenüberstellung zu einer extensiv genutzten Fläche die mit durchschnittlich 680 verschiedenen Arten aufwarten kann macht die Unterschiede deutlich. Noch gravierender ist dieser Unterschied für die Tierwelt, die Umstellung einer extensiv genutzten Feuchtwiese zu einer intensiv genutzten Grünlandfläche kann den Lebensraumverlust für bis zu 1300 Arten bedeuten.

 Gäbe es nicht den Menschen, würde Deutschland heute hauptsächlich aus Wald bestehen, in unseren Breiten gibt es nur wenige und seltene Formen natürlicher Grünlandflächen. Dass es heute in Deutschland so viel Grünflächen gibt, hat weit zurückreichende Ursachen, ab dem 13. Jahrhundert begann der Mensch Wald zu roden um Grünflächen für Ackerbau zu gewinnen, die später aufkommende Dreifelderwirtschaft verstärkte diese Entwicklung und mit dem aufkommen von Industrie im 19. Jahrhundert stieg der Holzbedarf massiv an. Die entstehenden Freiflächen wurden in Form von Weiden und Grünfutterwiesen nutzbar gemacht.

 



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